Taylor Swift hat es wieder geschafft. Ihr neues Album, „The Life of a Showgirl“, am Freitag erschienen, bricht Rekorde, Fans auf der ganzen Welt flippen aus. Ein Hype, der selbst die größten Popstars blass aussehen lässt. Hier erklärt BILD-Reporterin Eileen Primus das Phänomen Taylor Swift.
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Ich schwitze am liebsten zu Taylor Swift. Und das meine ich wortwörtlich.
Dreimal die Woche radele ich beim Spinning auf einem festinstallierten Fahrrad. Und das, obwohl ich Sport 30 Jahre meines Lebens abgrundtief gehasst habe. Dass ich mittlerweile sogar richtig gerne hingehe, hat vor allem mit Taylor Swift zu tun, deren Motto-Kurse ich besuche, lauthals (und schief) beim Strampeln mitsinge. Das beantwortet die Frage, warum diese Frau den milliardenschweren Musikmarkt beherrscht, vielleicht ganz gut …
Gehört habe ich ihre Lieder schon immer gern. Der Weltstar und ich sind gleich alt. Als sie auf ihrem Debüt-Album 2006 über Teenie-Herzschmerz singt, mache auch ich erste Trennungen durch. Auch, wenn es sich „nur“ um erste Romanzen in der Schule handelte – damals fühlte es sich an wie der weltgrößte Herzschmerz. Taylor verstand das. Verstand mich.
Taylor Swift aus West Reading, Pennsylvania, im Jahr 2007, zu Beginn ihrer Karriere mit Mama Andrea (67). Mutter und Vater Scott Swift begleiten Taylor bis heute, auch wenn sie seit 2011 geschieden sind
Als sie über Knatsch mit Freundinnen sang, machte ich das parallel im echten Leben durch. Als sie sich in der Highschool neu verliebte, hatte auch ich Schmetterlinge im Bauch. Als hätte sie in meinem Tagebuch gestöbert und meine (teils naiven) Gedanken deutlich poetischer in Songtexte gegossen. Dieses „Du bist nicht allein“-Gefühl transportiert sie durch Lieder, die sehr persönlich sind, bis heute. Hinein in neue Generationen.
Wie eine warme Suppe an einem viel zu kalten Tag
Als Swiftie – also Mega-Fan – hätte ich mich damals trotzdem nicht bezeichnet. Ich mochte ihre Lieder, den Hype um diese Frau habe ich erst jetzt, in meinen 30ern, verstanden.
BILD-Reporterin Eileen Primus (35) 2024 in Gelsenkirchen (damals „Swiftkirchen“) am Rande der „The Eras“-Stadiontour von Taylor Swift. Dieses Kleid schlummerte seit 5 Jahren im Schrank – und kam beim Konzert zum Einsatz. Denn Knallfarben, Glitzer, Herzchen & Co. sind unter Swifties ausdrücklich erlaubt
Taylor Swift schafft es wie keine Zweite im Business, eine Welt voller Freundschaft, Zusammenhalt und Gemeinschaftsgefühl zu erschaffen. Ihre „The Eras“-Tour? Ein absoluter Safe Space. Eine Girl-Pop-Funkelwelt, in der gemeinsam gelacht, aber auch geweint wird. Da guckt dich keiner schräg an, wenn du Tränchen bei Songs, die du gerade echt fühlst, vergießt. Sondern umarmt dich. Was sich anfühlt wie eine warme Suppe an einem viel zu kalten Tag.
Die „Eras“-Tour ist mit zwei Milliarden US-Dollar Umsatz aus Ticketverkäufen die umsatzstärkste Tour aller Zeiten. Swift spielte von März 2023 bis Dezember 2024 149 Shows auf fünf Kontinenten, jedes Konzert ging rund 3,5 Stunden und war ausverkauft
Das Tolle: Dieses Gefühl lässt sich auch abseits der Konzerte erleben. Etwa beim Taylor-Swift-Spinning, wo 50 Leute 45 Minuten lang zu Taylors Songs radeln und aus voller Kehle mitsingen. Schief, falsch, schlecht – scheißegal. Wir feuern uns gegenseitig an, klatschen, jubeln.
So sah unser Spinning-Studio in Berlin am Freitag aus – als wir direkt am Tag der Veröffentlichung zum neuen Album von Taylor Swift, „The Life of a Showgirl“, geradelt sind. Mit Funkel-Vorhang!
Gerade in einer Großstadt wie Berlin ist es schließlich schwer, als Erwachsener neue Bekanntschaften zu knüpfen. In einer Masse an Menschen kann man sich schrecklich allein fühlen. Taylor Swift macht aus Fremden Freundinnen. Egal, in welchem Alter. Mitzuerleben, wie Leute durch die Kurse ins Gespräch kommen (man hat ja mindestens einen gemeinsamen Nenner – Taylor), sogar neue Cliquen entstehen, berührt mich.
Kino-Party in Berlin: Fans feiern neues Album von Taylor Swift
Ganz ehrlich? Ich liebe es jetzt, mit 35, Freundschaftsarmbänder zu basteln, um sie zu tauschen. Sich einen halben Tag nur mit bunten Perlen zu beschäftigen, die auch mal über den Wohnzimmerfußboden rollen und sich partout nicht auffädeln lassen? Purer Luxus in einer Welt voller Schnelllebigkeit, Social Media und Arbeit.
Freundschaftsarmbänder sind ein Erkennungszeichen unter Swifties. Das gemeinsame Basteln und Tauschen wird zum euphorischen Event
Und dann ist da noch die Sache mit den Easter Eggs. Durch versteckte Botschaften in Lyrics, Songs, Bildern, Gegenständen, sogar Mimik oder Gestik erschuf Taylor Swift einen wahren Kult. Online schließen sich Fans auf der ganzen Welt zusammen, um gemeinsam ihre Rätsel zu lösen. Wie TKKG – nur mit mehr Glitzer. Dieses Miteinbeziehen macht das Fan-Sein interaktiv und nahbar. Und Taylor Swift zum Mastermind einer ganzen Musikbranche.
Es ist gut, dass die Welt eine Taylor Swift hat. Die positive Emotionen, Zugehörigkeit und Erinnerungen schafft, die wir in unserer Gesellschaft gerade so dringend brauchen.
Taylor Swift ist aktuell die erfolgreichste Musikerin der Welt, wurde mit ihren Songs zur Milliardärin. „The Life of a Showgirl“ ist ihr 12. Album, mit 12 Songs. Wie immer bei ihr, drehen sich die Lieder um ihr aktuelles Leben. So schrieb sie für „TLOAS“ viele Liebeslieder rund um ihren Verlobten, NFL-Superstar Travis Kelce (35)
