Berlin – Millionen Deutsche erhalten mehr als den Mindestlohn – und das ganz ohne Berufsausbildung. Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen: In diversen Branchen zahlen Arbeitgeber an Ungelernte deutlich höhere Stundenlöhne als die gesetzlich festgelegten 12,82 Euro.
Eine weitere Realität auf dem Arbeitsmarkt: Die Zahl der Menschen, die ohne Ausbildung arbeiten, wird immer größer.
Von den 20,8 Millionen Vollzeit-Beschäftigten hatten im vergangenen Jahr 2,3 Millionen nur das Anforderungsniveau „Helfer“, das beschreibt Jobs, die ohne entsprechende Qualifikation ausgeführt werden. Die meisten (10,5 Mio.) waren Fachkräfte, verfügen also über eine Berufsausbildung. Der Rest (knapp 8 Mio. Menschen) hatte Uni-Abschluss, Meister-Titel oder mehr.
► Doch die Entwicklung ist eindeutig, wie Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigen. Demnach hatten im vergangenen Jahr unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Vollzeit 10,5 Prozent keine Ausbildung. Der Gesamtanteil dieser Gruppe hat sich in zehn Jahren um 18 Prozent erhöht!
► Als Folge waren sogar mehr der Vollzeit-Beschäftigten lediglich auf „Helfer“-Niveau beschäftigt, nämlich 13,6 Prozent. Der Gesamtanteil hat sich in zehn Jahren um 13,3 Prozent erhöht. Betrachtet man die komplette Gruppe der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten unabhängig von der Arbeitszeit, waren 16,6 Prozent als „Helfer“ angestellt.
► Auch eigene Daten des Statistischen Bundesamts zeigen einen Trend. In der vierjährig durchgeführten Verdiensterhebung aller Beschäftigungsverhältnisse liegt die Zahl der Vollzeitstellen seit 2014 einigermaßen konstant zwischen gut 20 und 21 Millionen Menschen. Die Zahl der darin enthaltenen „Helfer“-Jobs stieg seit dem Jahr 2014 allerdings um 215.000. Das entspricht im Verhältnis einer Zunahme um rund 8,5 Prozent.
Experte: „Müssen mehr für Ausbildung und Qualifizierung tun“
Prof. Enzo Weber, Forschungsbereichsleiter Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen am IAB, zu BILD: „Auch in Zukunft werden Jobs auf Helferniveau entstehen. Das ist wichtige Arbeit und aller Ehren wert. Für den Abbau der Arbeitslosigkeit und den wirtschaftlichen Erfolg des Landes müssen wir aber noch mehr für Ausbildung und Qualifizierung tun.“
