San Francisco – KI-Fakes, Deepfakes, Bots: Im Netz verschwimmt die Grenze zwischen Mensch und Maschine. Der Deutsche Alex Blania (31) aus Erlangen arbeitet mit Sam Altman (40), dem Macher von ChatGPT, an einer Technologie, die das ändern soll: World – ein Iris-Scan, der beweisen soll, dass wir online noch echt sind. Das Unternehmen dahinter, Tools for Humanity, wurde 2019 in San Francisco gegründet, mit Blania als CEO.
Der Deutsche hinter der Idee
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Blania ging für KI-Forschung in die USA – dort überzeugte ihn Sam Altman, die akademische Laufbahn zu verlassen. Blania zu BILD: „Als wir World gegründet haben, verfolgten wir eine klare Vision: ein Netzwerk aus echten Menschen zu schaffen, das den Weg in eine Zukunft ebnet, in der Online-Interaktionen vertrauenswürdig sind, öffentliche Ressourcen gerecht verteilt werden und man im Netz eindeutig zwischen Menschen und KI unterscheiden kann.“ Sein Ziel: eine Milliarde Nutzer.
Alex Blania (30, l.) und Sam Altman (40): Der Physiker aus Erlangen baut mit dem OpenAI-Chef an einem globalen Identitätssystem
Aktuell ist das Unternehmen 2,5 Milliarden Dollar wert, 37 Millionen nutzen die App, rund 20 Millionen haben ihre Iris scannen lassen. In Deutschland kann man sich in München scannen lassen.
Der Blick ins Auge der Menschheit
Im Zentrum steht der Orb. Er liest die Iris, erstellt einen digitalen Fingerabdruck und speichert ihn verschlüsselt auf dem Smartphone des Nutzers. Die World-ID soll online zeigen, dass jemand echt ist – ohne weitere Daten. Die Iris gilt als eines der sichersten biometrischen Merkmale.
Der „Orb“: Mit ihm scannt World die Iris, um einen digitalen Nachweis echter Menschen zu erstellen
„Das Internet wurde nicht für Menschen, sondern für Computer entwickelt“, sagt Adrian Ludwig, Chief Information Security Officer (und leitender Architekt) bei Tools for Humanity. Ludwig weiter zu BILD: „Wir wollen es ermöglichen, Menschen von Bots zu unterscheiden, und die Grundlage für einen vertrauenswürdigen, anonymen digitalen Nachweis von Menschlichkeit schaffen.“ Eine der ersten Anwendungen ist die Integration mit Zoom – damit lässt sich in Video-Calls prüfen, ob das Gegenüber echt ist. Langfristig soll die World-App zu einer Everything-App für Identität, Kommunikation und Zahlungen werden.
Das Innenleben des Orb: Kameras, Sensoren und Elektronik, die den Iris-Scan möglich machen
Der Krypto-Deal
Wer seine Iris scannt, bekommt Zugriff auf den Worldcoin, die hauseigene Kryptowährung. In der App zeigt sich: Aktuell gibt es rund 46 Token – etwa 27 Euro wert, die Ausschüttung sinkt mit jedem neuen Nutzer. Kritiker sehen darin eine Bezahlung für biometrische Daten. Adrian Ludwig widerspricht: „Wir geben nichts. Was passiert ist, dass der Nutzer, nachdem er sich verifiziert hat, Zugriff auf bestimmte Funktionen und Token bekommt.“
Adrian Ludwig: Der Sicherheitschef von World will das Internet „wieder für Menschen“ machen
Und weiter: „Der Wert des Netzwerks ist das Netzwerk selbst. Wir glauben, dass der Wert bei den Menschen liegen sollte, die das Netzwerk erst wertvoll machen.“ World verdient am Verkauf der Orbs und an Gebühren von Plattformen, die die World-ID nutzen – ein Teil der Einnahmen soll an die Nutzer zurückfließen.
Der Preis der Identität
Doch wie sicher ist das? Naama Ben Zvi, Biometrie-Kommissarin der israelischen Cyberbehörde, warnt: „Biometrische Daten sind ein Teil von uns. Sie sind unsere Identität. Wer sie mit privaten Unternehmen oder nicht regulierten Dritten teilt, gibt ein Stück seiner Persönlichkeit preis.“ Zugleich sieht sie Potenzial: „Wenn alles auf dem eigenen Gerät gespeichert und verarbeitet wird und nie an externe Stellen weitergegeben wird, ist das der datenschutzfreundlichste Weg.“
Blania sagt, World habe inzwischen eine Größenordnung erreicht, in der man erstmals sehen könne, wie sich ein „menschverifiziertes Internet“ anfühlt. Der CEO zu BILD: „Und das ist erst der Anfang dessen, was ein menschorientiertes digitales Ökosystem ermöglichen kann.“
